future needs competence
Future needs competence
von Samuel Kleske
In diesem Text möchte ich darlegen, wieso ich glaube, das wir, um unsere Zukunft gestalten zu können nicht nur reines Wissen benötigen, sonder auch Sozial- und Handlungskompetenz.
Das Wissen eignen wir uns durch Forschung, Austausch und Studien an. Die Sozialkompetenz erwerben wir durch Prägung und Erfahrung, die uns fähig macht, mit verschiedensten Menschen effektiv zusammenzuarbeiten. Handlungskompetenz erarbeiten wir uns durch Lebenserfahrung, Weitsicht und Entwicklung unserer Persönlichkeit.
Um alle drei Komponenten zu entwickeln brauchen wir ein Umfeld das dem einzelnen die Freiheit gibt, sich nach seinen individuellen Stärken und Präferenzen in die Gesellschaft einzubringen.
Deutschland befindet sich vor großen Herausforderungen. Die Welt befindet sich im rasanten Wandel und es scheint, dass nichts mehr so bleiben wird wie es ist/war. Durch die Globalisierung wächst fast die ganze Welt, zumindest wirtschaftlich, zusammen.
Dieser Prozess bedeutet aber nicht, dass alle Gewinner sein werden, im Gegenteil, es ist eher ein Konkurrenzkampf der die ganze Welt umspannt. Wie auf der ganzen Welt, fragen wir uns natürlich auch in Deutschland: “Wo stehen wir?” “Wo wollen wir hin?” und vor allem “Wie kommen wir dahin?”
Schon die erste Frage „Wo stehen Wir?“ ist nicht so einfach zu beantworten. Die öffentliche Diskussion ist geprägt durch Schlagwörter die alle ihre Berechtigung haben, aber nie das ganze Bild zeigen. Arbeitslosenquote, Pisa und Neuverschuldung, aber auch Exportweltmeister und „ein Land der Dichter und Denker“ werden mit Deutschland in Verbindung gebracht.
Der Sachverhalt ist sehr komplex und der Vergleich zu anderen Staaten eher schwierig. Was in dem einen Land ein Segen sein kann (eine hohe Staatsquote in Skandinavien), wird in einem anderen als Fluch wahrgenommen (eine hohe Staatsquote in den USA).
Am Ende ist aber nicht der einzelne Faktor entscheidend, sondern das Zusammenspiel aller Komponenten.
Zu der Frage „Wo wollen wir hin?“ scheint es einen breiten Konsens zu geben.
Ziel ist es unseren Lebensstandard zu halten oder ihn weiter auszubauen.
Anhand allgemein anerkannter Indikatoren wie dem Bruttonationaleinkommen, dem Human Development Index der UNO und der Messung der Arbeitszeit für einen Big-Mac mit Pommes Frites (UBS), messen wir unseren Wohlstandszuwachs.
Bei der Frage „Wie kommen wir dahin?“ sind wir bei den Herausforderungen angekommen. Es gibt unterschiedlichste Vorstellungen wie Wege zu beschreiten sind, oder gar welche Wege einzuschlagen sind. Beispielhaft können da Themen wie Steuererhöhung, Atomkraft, Sozialstruktur etc. genannt werden. Auffällig dabei ist, dass derzeit Politik, Wirtschaft und Staatsbürger eher gegensätzliche Positionen beziehen, als gemeinsam durchgreifende Lösungen hervor zu bringen und voran zu treiben.
Unter “Future needs competence“ verstehe ich den Prozess, eine Gesellschaft zu entwickeln, die in der Lage ist, die Zukunft so zu gestalten, das allen Bürgern ein Platz geboten wird, in dem sie sich mit größtmöglicher Freiheit einbringen können.
Die bisherigen Leistungsstrukturen in unserer Gesellschaft haben dazu geführt, dass Menschen nach statistischen Analysen bewertet und gefördert wurden. Individuelle Stärken und Präferenzen wurden vernachlässigt. Diese Herangehensweise hat zu einer nicht optimalen Ausschöpfung des Potenzials der Gesellschaft geführt und den Einzelnen zum Teil verkümmern lassen.
Um eine wettbewerbsfähige Gesellschaft zu ihrer vollen Entfaltung zu bringen, ist es notwendig, dass wir zu einer differenzierten Betrachtungsweise kommen. Wir brauchen Freiheit, in der sich jeder entwickeln kann. Lebensläufe, die die Vielseitigkeit dieser globalen Welt wieder spiegeln.
Eine Freiheit, die nur der individuellen Entwicklung dient, kann jedoch zur Gefahr für die Gesellschaft werden. Wenn Subkulturen nicht den Wert des anderen sehen und keinen Weg zueinander finden, kommen wir in eine Starre, wie sie Deutschland in den letzten Jahren prägte.
Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass während der Schul-, Universitäts-/Fachhochschulzeit nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch jeder einzelne zur Sozial- und Handlungskompetenz geführt wird.
Die Wissensvermittlung besitzt Priorität, da sie die Basis für die weitere Entwicklung darstellt. Sie ist allerdings nur der Grundstein eines Wissensgebäudes das sich ein Leben lang aufbaut.
Während ein Bürger im Mittelalter seine Lebenszeit aufwenden musste um die Fülle an Informationen einer heutigen Tageszeitung zu erhalten, gelingt uns dies allein beim Frühstück. Wir sehen daran, wie wissens- und informationsgetrieben unsere heutige Gesellschaft funktioniert.
Weltweit besteht Konsens darüber das ein steigender Bildungsgrad zu steigendem Wohlstand führt.
Die Tatsache das ein großer Teil der asiatischen und südamerikanischen Staaten ein ebenwürdiges Level an Wohlstand der westlichen Welt erreichen möchte, erhöht zusätzlich den Druck auf die erste Welt.
Die wachsende Bedeutung, die soziale Kompetenz in der öffentlichen Diskussion spielt, unterstreicht die Notwendigkeit ihrer Förderung. Durch den Individualisierungsprozess haben wir facettenreiches Potenzial für unsere zukünftige Gesellschaft gewonnen, müssen ihn aber noch adequate Verknüpfung schaffen.
Die Differenzierung der Persönlichkeiten als Antwort auf die steigende Fragmentierung der Berufsanforderungen führt zur Notwendigkeit eines neuen Kommunikationsverhalten für die Zusammenarbeit. Immer mehr entwickelt sich effiziente Kommunikation zum strategischen Wettbewerbsvorteil, auf die, in der Welt von morgen nicht mehr verzichtet werden kann.
Die Entwicklung sozialer Kompetenz benötigt zum einen theoretisches Wissen, aber noch mehr die praktische Erfahrung. Studienfahrten und Auslandssemester sind ein optimales Mittel die Theorie mit der Praxis zu verbinden. Aber auch der Austausch über Nation und Generation hinweg ist förderlich.
Das Spektrum der Handlungskompetenz wird in einem zu geringen Umfang beachtet. Per Definition ist sie die Fähigkeit des Einzelnen sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht, sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten [1]
Sie zeigt sich am stärksten durch das kontinuierliche Treffen von weitsichtigen Entscheidungen und des kongruent Auftreten von Personen in Wort und Tat. Handlungskompetenz bekommt zentrale Bedeutung, wenn es um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft geht. Sie führt Wissen und soziale Kompetenz zusammen und bringt uns auf Wege die uns zu unseren Zielen in der Zukunft führen. Gerade die Notwendigkeit das die Wege gemeinsam von verschiedensten Subkulturen beschritten werden müssen ist nicht zu vernachlässigen.
Die weitere Entwicklung von Deutschland, innerhalb der sich verändernden Welt, kann positiv beurteilt werden. Deutschland weißt zwar Schwächen auf (Arbeitslosenquote, übermäßige Bürokratie), die Stärken aber überwiegen (Land der Dichter und Denker).
Durch kontinuierliche Verbesserung der Wissensgenerierung, sowie Ausbau der sozialen Kompetenz und der Entwicklung von Handlungskompetenz, kann Deutschland mit einem Umfeld das dem einzelnen Freiheit zur Entfaltung einräumt, den Weg in die Zukunft erfolgreich beschreiten.
Filed by Sam at September 5th, 2006 under Allgemein